Muße
„Dolce far niente“ hieß die kleine mallorquinische, aus dem Boden gestampfte, Feriensiedlung. Eine Anlage mit kleinen Bungalows auf einem weitläufigen Terrain. Bei der Ankunft, beim Einchecken, fragte ich an der Rezeption was das denn wohl hieße. Der Mann hinter dem Counter hatte keine Ahnung. Er frug die weibliche Empfangsdame neben sich. Wieder nichts. Verwundert sah ich meine Mutter und meinen Vater an; mein Bruder war noch zu klein, ihn mit einzubeziehen. Meine Mutter bestätigte meine Vermutung, es sei italienisch. Muss wohl was mit Süßem und Nichts zu tun haben. Ich muss wohl fünfzehn oder sechzehn gewesen sein.
Die Redewendung war fortan eingepflanzt in mir. Das süße Nichtstun! Noch heute Frage ich mich, kann nichts tun, süß sein? An allen Ecken und Enden spürt man die Notwendigkeit etwas zu tun, Verantwortung zu übernehmen, sich mit Zukunft zu beschäftigen oder jemandem hilfreich zu sein…
Auch jetzt wieder. Wolltest du nicht die alten Matratzen in den Keller schaffen?
Muss man sich für Muße Platz schaffen? Kann man nicht einfach mal auf dem Balkon in die wundervolle Wintersonne schauen? Mir fällt gerade in der Küche an meinem Frühstücksplatz das Vakuumiergerät in die Augen, was ich für den sensationellen Preis von 17,99€ bei Aldi kaufte. Das musste ich einfach haben.
Vor Jahren war ich mit meiner Frau an einem verlängerten Wochenende auf Wandertour im Teutoburger Wald. An einem lauschigen Sommerabend auf der Terrasse eines Hotels, nach dem Aperol-Spritz musste, kurz vor dem Küchenschluss, was zu essen her. Ein Gericht fiel ins Auge. Ich wollte es einfach wissen. Wie das schmeckt das? Ich hatte zuvor googelt. Sous-vide-Garen. Das ist Jahre her.
Mir geht’s oft wie bei kleinen Kindern. Selber. Wann koche ich es so selbst? Und kann ich diesen Geschmack von vor Jahren nachspüren. Nicht, dass ich sowas nicht bereits schon mal wieder woanders gegessen hätte. Nein, ich will’s selber machen. Na gut, es steckt auch viel von der damaligen Atmosphäre im Gericht.
Immer wieder wartet man. Jetzt auf die 100, denn beim Laden meines Handys bin ich erst bei 99%. Dann geht’s auf den Balkon. Da habe ich Ruhe. In der Wintersonne bin ich bei mir. Bei einem Cigarello, Moods Gold. Natürlich mit “C“ und Gold kommt mir immer wieder der Buchtitel von Richard David Precht in den Sinn, Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?
Luftikus
Bruder Leichtfuß
Pfiffikus
Spieler
Sonntagskind / Träumer
… so in dem Dreh?
Das triffts wohl, alles zusammen (!) am ehesten. Obwohl der Tiefgang fehlt in den Labels.
Ich, ein Spieler; vielleicht?
– Der spielende Mensch, der durch das Spiel Kultur schafft und sich entfaltet, losgelöst von reinem Nutzen oder Zwang, und so zur vollen Menschlichkeit findet, wie Friedrich Schiller es formulierte: „Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt“. Es geht um einen Zustand der intrinsischen Motivation, Freiheit und Konzentration, in dem das Leben selbst als ein großes Spiel mit existenziellen Aspekten ist. –
Das hat mir sehr gefallen!

