Kategorie: Texte

  • in der Badewanne

    Meine Frau geht öfter ins Bad und legt sich in die Wanne. Wir haben eine ziemlich große Wanne in der man zu zweit liegen kann; tolle Anschaffung. An jedem Ende das man im Rücken hat, wenn man sich gegenüberliegt, ist auf der linken Seite eine Mulde in Höhe des Ellbogens, etwas tiefer als der Wannenrand, der schräg nach unten ausläuft und als Wasserablauf dient, was bei heftigen Bewegungen Minizunamis verhindert. Allein hat man in der Wanne mehr als genug Platz. Man kann in ihr chillen, ein Buch, ganze Zeitungsberge durcharbeiten, auf seinem geräumigen Rand sein Handy dazu platzieren. Braucht man, um Wörter semantisch überprüfen und dergleichen …

    Ich bin kein Wannentyp. Nicht selten werde ich von ihr eingeladen miteinander zu baden. Das ist schön. Wir können beide lesen, die Zeilen beiseitelassen und uns anlächeln, plauschen und ein bisschen aneinander spielen.

    Mittlerweile habe ich die Wanne für mich entdeckt. Ich hole mir dann meinen mobilen WLAN-Lautsprecher und höhere manchmal Dance Musik dazu. Hin und wieder muss ich natürlich auch auf die Wassertemperatur achten und mein Blick gleitet an mir herunter. Irgendwann hatte ich die Vorstellung mal so viel abzunehmen, dass es mein Bauchnabel unter den Wasserspiegel schafft. Jetzt habe ich schon fast 30 Kilo abgenommen und verdammt noch mal, es klappt einfach nicht, auch wenn ich meinen Rücken so sehr in die Wanne reindrücke. Trotzdem bleiben meine Härchen und ein bisschen Bauch drüber. Mit Baucheinziehen und zwar ganz heftig klappt das irgendwie. Das ist anstrengend.

    Manchmal fahre ich mir mit meinen Fingern von den Brustwarzen runter über den Bauch, innen an die Schenkel und unter mein Gemächt. Ich hatte mir meine Haare am Hodensack abrasiert und auch meinen Schwanz von Haaren bis an den Anfang des Schafts befreit. Es fühlt sich wunderbar samtartig an. Mit meinem Schwanz bin ich sehr zufrieden, obwohl,  im Wasser ist er so klein und fühlt sich wie Babyhaut an. Von Größe kann jetzt nicht die Rede sein. Vielleicht etwas größer, naja, doch schon wesentlich größer als die Vaginaeichel bei einer Frau. Ich streichelte ihn gern und bin dabei sehr bei mir.

    Apropos Eichelrand …

    und schon flattern die Gedanken.

    Mir fallen meine letzten Bücher ein, die ich las. „Das andere Geschlecht“ von Simone de Beauvoir und „Sie hat Bock“ von Katja Lewina.

  • halt die Klappe

    Sie ist die die niemals Klopapierrollen in die Halterung steckt. Sie kocht wie eine Sterneköchin. Danach sieht’s aus wie auf einem Schlachtfeld. Sie sagt sie beseitige das Schlachtfeld immer selber. Stimmt nicht, das mache ich schon währenddessen. Ob sie es bemerkt?
    Sie guckt mich hintergründig-liebevoll an und drückt damit aus „Meiner“ (also ICH). Ich könnte sie jederzeit und an jedem Ort liebkosen. Das merkt sie.
    Sie gefällt mir. Selbst dann, wenn sie mal wieder ihren Haustürschlüssel sucht. Stress kennt sie beim Machen nicht. Klappt es allerdings nicht läuft sie zu Hochform auf. Und das bei ihrem westfälischen Temperament. Ich bin Rheinländer. Eigentlich kaum aus der Ruhe zu bringen. Aber Sie ist eine echte Aufgabe. Temperamentsausbrüche sind eher meins. Emotional auf der Nulllinie zu leben liegt mir nicht. Damit werden ihre Grenzen erreicht.
    Sie sagt, sprich mich nicht an, ich habe meinen zweiten Kaffee noch nicht auf. Ich hingegen bin auf der Bettkante schon voll auf Sendung.
    Die Assoziationen sprießen dort schon wie Unkraut.

    Multitasking ist nicht Ihr Ding.
    Denke immer an den Kabarettisten Jürgen Becker. Der brachte mal den Spruch, Rheinland und Westfalen das ist fürchterlich. Aber es geht!

    Liebe ist eben irrational.

    Wenn wir etwas sehen oder erleben gibt es häufig ein Statement. Von wem auch immer. Die Beschreibung fällt heute auch nach 39 Jahren oft so aus, dass wer auch immer es sagt, der andere es durchaus auch gesagt haben könnte. Stunden später ist es nicht mal mehr klar wer von uns beiden es sagte.

    Anträge verboten sich. Wir sind Post-68er. Wer wem bedeutete wir heiraten, ist bis heute unklar. Es war folgerichtig. Ich hatte schlicht keinen Bock darauf um meinen Sohn vor dem Jugendamt kämpfen zu müssen, sollte Ihr mal irgendetwas zustoßen.
    Wir sind uns sehr nah. Unsere Interessen oder Empfindungen ähneln einander.
    Jedoch alte (Ehe)Paare neigen dazu persönliche Entscheidungen auch für den anderen direkt mitzutreffen. Das kann Sie gut! Habe ich gelegentlich Einwände, muss ich darauf hinweisen, dass Ich nicht Sie bin.
    Ich bin selbstständig. Das bedeutet, ich muss mir um die Befindlichkeiten der Leute die ich mitnehmen will Gedanken machen. Das braucht sie nicht. Trifft sie Entscheidungen und steht dazu wie eine Eins.
    Alte Leute sind gelegentlich etwas entschiedener.


    Ich denke immer an die Marketenderin bei Bertolt Brecht, die von dem Soldaten, der sich vom Obergefreiten geschuhrieglet wurde, gefragt wird wie er sich entscheiden solle. Sie fragt ihn, hast du eine kleine oder hast du eine große Wut.

    Ist es für mich nicht lebensentscheidend habe ich beschlossen -halt die Klappe- damit „kann ich“; Punkt!


    Alle Paartherapeuten und Psychologen sagen Beziehungen halten, wenn einer/eine tendenziell nachgibt.

    Das kann ich. Ich bin Löwe.

    Alles sowieso meins!

  • Der Augenmensch

    Kennen Sie das?    Sie kommen in ein super gestyltes Zimmer    uund     das Bild hängt schief!                                   Geht gar nicht!

    GuuHut,    Sie denken an den alten Malerspruch  „Der Blöde merkt’s nicht und der Kluge sagt nix“.  

    ==>also Klappe halten !  

    Und dann:  Die Fenstergriffe  – alle auf halb Fünf.  ==>DAS  macht meine Frau auch immer so.

    Dann die Ortsangaben meiner Frau,   von Dingen,  die sie alle  total unsystematisch weggeräumt hat  – oder besser in finalen Verstecken  lagert – 

    In dieser so unperfekten Welt,  die so fürchterlich unkooperativ ist,   sich wie ein Rumpelstilzchen zu verhalten      und alles zu korrigieren bringt nix    und kostet viel zu viel Zeit.

    Meine Gabe hat allerdings auch positive Seiten,

    denn als Chef bin ich bestens geeignet. ==>Weil,  ich finde immer was!   Meine Mitarbeiter reagieren allerdings völlig respektlos. Die gucken dann fast traumatisiert, nach Motto „muss das sein?“

    ==>JAAH, das MUSS !

    Oder

    Wie macht man Brötchen länger haltbar?    Brötchen in Butterbrotbeutel   – Lippen spitzen und Luft raussaugen  – dann abbinden!

    Im Haushalt wird sogar meine Hilfe regelrecht angefordert,    wenn      – ja wenn   echter Dreck weg soll.   Den Herd putzen    kann wirklich nur ich.    Allerdings schmerzt mich sein folgender Zustand, hervorgerufen durch nachlässige Handhabung  Anderer.

    Oft frag ich mich   – was habt ihr alle-    Ich will doch nur Euer Bestes !!!

    Manchmal bekommt man sogar ein Lob für seine Eigenart.    Allerdings  seeehr versteckt!    Blick von  „der Frau“  wandelt sich von  „Oh Gott“  über  „Häh“  nach  „Och“  zu   „Okay-lass ihn doch“ .   Solche Zustimmung   muss man natürlich schon sehn‘ können. ==>das allerdings  motiviert!

    Übrigens von den Lizenzen der Tischabfalleimer in den Hotels verdien‘  ich mich heut noch dumm und dämlich.  ==>Ordnung muss sein!

    Die Messerbänkchen gab’s schon!     Schade, war schon vor meiner Zeit.

    Bei mir heißt’s:

    Was stört, muss weg, soooforrt!   Deswegen lauf ich auch unentwegt zum Papierkorb. Ein REFA-Mann würde glatt an mir verzweifeln.

    Jetzt muss ich Ihnen noch kurz von einem krassen Fall erzählen.

    Von einem seltenen Besuch der Gruppe „Die anonymen Kontrolletties“  ==>diskriminierender Name, fürchterlich.

    ==>  Da erzählt ein Proband, er habe sich dabei ertappt wie er im ALDI einem Kunden in den Einkaufswagen greifen wollte. Was war? Er sah dort einen 8er-Saft-Karton,  wo eine (!) Schüttöffnung der TetraPaks nicht in „Reih‘ und Glied“ stand. Er konnte zu seinem Leidwesen nicht eingreifen, weil er sich so beobachtet fühlte. Er kriegte regelrecht einen echten „Flattermann“. Zuhause habe er sich erst mal einen Cognac genehmigt; einen Dreifachen. 

    Irgendwie konnte ich ihn versteh‘n!

    Mein Trauma wurde früher morgens ausgelöst.

    Vor der Frühstücks-RushHour    beim Klamotten-Zusammenstellen    vor der Socken-Schublade:   Alle gleichgrau / -schwarz  / -blau.

    Manchmal kam jedoch die BeckerFaust:    passt !

    Meistens ist das für unsereinen  aber DER Albtraum!   Ich hab alles versucht,   z.B. mit

    TischDecken-Beschwerern in der Buntwäsche;   Pärchen zu bilden.    Die gehen aber ab.    Hoffnungslos,     und rosten tun die auch noch. 

    ==>Ich hab diese Versuchsreihe letztlich ausgesetzt:     kostet einfach zu viel Energie. 

    Ich erinnere mich immer an ein historisches Interview mit Rosi Mittermeier, die gefragt wurde warum sie immer so gut drauf sei.    Sie: Wenn ich morgens aufstehe und die Sonne scheint in mein Zimmer,  freue ich mich.      ==>Jaaaahrelang hab ich das geübt.    Es klappt !!!

    Kommentare gebe ich   – zur Schonung meiner Umwelt-   jetzt nur noch spärlich ab. Spart auch wieder viel Energie, denn ich brauch die humorlosen Reaktionen auf meine konstruktiven Vorschläge nicht mehr zu kontern.

    Folglich freu ich mich jetzt ausgiebig,  wenn ich den Bus noch erwische. YES!!

    Ich sehe es so:

    Ich halte mich für einen unwiderstehlich strahlenden Pessi…  äh  Ästheten.   Eigentlich bin ICH der einzig wahre Optimist.

  • Giorgio

    Wir kamen in das Ristaurante, wo wir schon lange nicht mehr waren. Ein sehr kleines Lokal, italienisch, nicht überladen, eng aber gemütlich. Unsere Freunde hatten es ausgesucht. Es war ziemlich voll, aber wir hatten ja einen Tisch bestellt, der uns nicht sofort auffiel.

    Setzen Sie sich, wo sie wollen, sagte er uns und bedeutete dies mit einem kleinen Schulterzucken und einer sparsamen Handbewegung. Giorgio geleitete uns zu schließlich zu einem Sechsertisch, obwohl wir nur viert waren. Irgendwann nahm er die überzähligen Teller und Gläser an sich. Alles geschah wie nebenbei. Jetzt war es unser Tisch.

    Giorgio war ein ziemlich langer Italiener, so um die 60, mit einer sparsamen fast eleganten Körpersprache.

    Nachdem wir Wein und Bier bestellten, kam er nach einer gewissen Zeit und servierte. Er stellte jedes Glas, zwei Pilsgläser und ein größeres bauchiges volumigeres Landbierglas und mein Weißweinglas auf den Tisch. Alles mit einem fast nicht wahrnehmbaren dumpfen Plumps. Sie landeten so plan auf dem Tisch, dass sie nicht holpernd von einer zur anderen Glaskante standfest auf dem Tisch landeten. Dies gelang ihm so gerade, wie wenn man in einer Show mit einem Riesenbagger ein kleines Glas hundertprozentig exakt, als wenn man dafür Punkte verteilt bekäme. Dieser Mann wusste was er tat; alles mit einer zurückgenommenen Selbstverständlichkeit. Keine Nuance seiner Bewegungen war zu viel. So ging er auch.

    Beim Servieren des Essens das Gleiche. Mit einer minimalen Bewegung drehte er die Teller bei jedem Gast. Die Optik perfekt. Obwohl selbst nicht Chef, was er mal nebenbei erwähnte – es waren seine (!) Gäste.  

    Vor unserem Aufbruch, bei der Abrechnung fragte er ob er die Rechnung teilen solle, oder wir zusammen bezahlen wollten. Geteilt nach Paaren war unsere Entscheidung. Er kam dann mit dem Kassenausdruck für alle und einem kleinen Handrechner. Dies hatte ich noch nie gesehen, denn die Kellner kommen dann normalerweise mit einem Kuli und teilten die Rechnung auf oder machen alles im Kopf. Er nicht. Er tippte auf Nachfrage die jeweiligen Gerichte und Getränke  in sein Ding.

    Unser Freundespaar, bzw. Gabi, bezahlte. Dann, so erwartete ich, hätte er uns für den Rest zur Zahlung aufgefordert. Nein, er tippte wieder alle einzelnen Beträge für uns, die wir verzehrt und getrunken hatten, in seinen Rechner.

    Schließlich wurden wir von ihm jeder entweder mit einem freundschaftlichen Blick oder einem kleinen, bei den Männern, unaufdringlichen Klaps verabschiedet.

    Draußen, nach einigen Minuten vor den Autos, fiel auf, als unser Freundespaar noch mal nachdachte, ob sie alles bezahlt hätten – Gabi hatte bezahlt – Udo war aber nicht dabei. Er hatte nicht alles erfasst. Das einfachste für Giorgio wäre gewesen die Einzelsummen mit der Gesamtsumme des Kassenbons zu vergleichen. Hatte er nicht gemacht.

    Er hatte keinen Zweifel was er tat.

  • Varieté

    Der Besuch des Varietés ist das worauf ich mich schon lange freue.

    Auf dem Weg dahin entfaltet sich eine wohlige Vorfreude. Ich möchte einfach nur eintauchen, mich einlassen auf – egal was gegeben wird. Schon am Eingang werde ich begrüßt als wäre ich der Ehrengast, obwohl noch 100 andere kommen zu denen (?) Sie einfach nur freundlich ist? Sie, die Fantasie meiner schlaflosen Nächte!?

    Im Foyer werde ich liebevoll an einem Stehtisch platziert und mit einem Café-Orange überrascht. Entweder kennt Sie mich oder weiß was ich mag.

    Als vor Bühne der Vorhang aufgeht, ich im Parkett des Saals, ist Sie die Conférencieuse – es gibt Sie wirklich – die sich für mich angezogen hat. Ihre Augen richten sich auf mich. Ihre einladende Präsenz wirkt wie eine persönliche Umarmung, die alles verheißen kann aber nichts verspricht. Ich lehne mich entspannt zurück und nippe an meinem Crémant.

    Von da an will ich SIE.

    In der Mitte des Abends präsentiert Sie sich, eine Mischung aus Grande Dame und Amazone, als Magierin.

    Da steht eine Riesenkiste. Ihr Blick fällt auf mich. Ich bin der Erwählte aus dem Publikum. Liebevoll-bestimmt deutet Sie fordernd auf mich. Ich komme auf die Bühne. Es ist mir mittlerweile egal ob sie mich zersägst oder verschwinden lässt. Sie darf alles mit mir machen. … Ich überlebe es unbeschadet und glücklich.

    Später bei der Trapeznummer bin ich bereits in Trance. Ich sehe mich als Luftakrobat. Ich bin der Fänger im Fangstuhl der auf Sie wartet.

    Trommelwirbel!

    Sie, diesmal die Fliegerin, stürzt sich von der Plattform.

    Salto mortale, ohne Netz! Da hab ich sie. Unsere Hände umgreifen sich mit einem kleinen Klatsch unserer beiden Handgelenke.

    Gefangen! Tosendender Applaus.

    Dann wird die Schaukel, die ich noch mit den Beinen umklammere, und sie unter mir, sanft auf die Bühne gelassen, die Scheinwerfer auf uns gerichtet. Ein tolles Paar!

    Ich liebe diese Welt. Sie hat was Extravagantes, mondänes und unkonventionelles. Diese Körperlichkeit, diese hinreißende Sinnlichkeit.

    Die Vorstellung ist zu Ende, der Vorhang fällt.

    Meine Begierde füllt mich aus.

    Beim Rausgehen vor dem Eingang sehe ich Sie , im Nebel Ihres Zigarettenrauchs. Dann dreht Sie sich plötzlich um, den Kopf leicht schräg im Nacken, und schenkt mir mit Ihrem sinnlichen Mund einen Luftkuss. 💋

    Ich bin Ihren Bann !

    Ich bin verloren.

    Es ist das was Sie wollte?