Fühle mich im wohligen Irgendwo im Nirgendwo bei mir.
Bin mein liebevoller Begleiter.
Außerhalb von mir, Du hast mich geseh‘n.
Wunderbar
Fühle mich im wohligen Irgendwo im Nirgendwo bei mir.
Bin mein liebevoller Begleiter.
Außerhalb von mir, Du hast mich geseh‘n.
Wunderbar
Begrabt mein Herz in Wuppertal.
Ist das ein Satz von einem der hier nie wegkam?
Von einem Gestrandeten?
Ist das kulturelle Aneignung von einem „Dahergelopenen„?
Wuppertal, das habe ich wirklich mal einem Weib auf einem griechischen Inselstrand vor 1000 Jahren gehört, das ist ein Ort, da könnten sie NATO-Stacheldraht drumlegen; ich käme da raus.
Hat mich damals amüsiert.
Man mag Enge empfinden, oder Raum.
Fakt ist, hier leben Menschen aus 130 Nationen. Und Tony Cragg ist Anfang der 1970er immer noch da.
Wolfgang Niedecken hat einmal gesagt, der wahre Weltbürger lebt in der Provinz.
Gehe ganz versonnen zum Kühlschrank.
Kurzfrühstück (8:55 Uhr) am Tag meines Termins (10. Mai, 9:30 Uhr).
Nehme mir einen Joghurt aus dem Kühlschrank.
Da sehe ich dummerweise das Verfallsdatum 7. Mai 2022.
Tauche den Löffel in den Joghurt ein und sehe ich mich nochmal nach rechts und links um!
In „UK“ wäre mir das nicht passiert; „best before„
Stehe gerade bei einer Party so rum. Habe mir gerade einen Pinot Grigio eingeschenkt und starre ein bisschen versunken in den Raum. Die Atmosphäre ist nett.
Auf einmal stellt sich mir ein Mittvierziger vor und sagt, hallo ich bin Klaus. Ich habe dich so ein bisschen beobachtet. Du, ich wollte dich mal fragen was machst du so eigentlich?
Och achte ich, was sagst du jetzt. Dachte, das ist jetzt die übliche Falle. Wenn ich sage was ich wirklich mache, werde ich den nicht mehr los.
Sage also, na ja, so ein bisschen Soll und Haben, Ist und Plan, Haben oder Sein. Das war ihm offenbar viel zu kryptisch.
Mal im Ernst, fragt er. Ich hatte keine richtige Lust auf ihn einzugehen, weil jetzt folgt wieder das Übliche. Gerangel um wer ist der „Held vom Erdbeerfeld„.
Ich schreibe so Texte, sage ich. Was denn, fragt er. Na ja so Poetry Slam Texte. Och du bist Künstler, fragt er? Naja, gut, die bringe ich allerdings auch mal auf die Bühne. Und du, frage ich.
Ich vertrete „Tretford „- Nordeuropa. Achso sage ich, diese tollen Teppichfliesen. Die haben wir ja auch. Ja genau die. Wenn du Lust hast kannst Du mich ja mal anrufen. Ich mache dir einen guten Preis.
Nö, wir sind gerade versorgt. Obwohl, da müsste ich meine Frau fragen. Die ist immer ein bisschen am planen, verändern, wie wir es uns schöner machen können. Die braucht, wie man so sagt, immer den neuen Look.
Wer ist die denn, Deine, werde ich taxierend von ihm gefragt?
Ja, da hinten die Frau mit den etwas lockigen Haaren, die sich mit der blonden attraktiven Frau unterhält. Ach die meinst du, das ist meine Frau. Attraktiv findest du die?
Er wirkt so ein bisschen irritiert, typisches Platzhirschverhalten. Ich will ihm keine Konkurrenz machen.
Na ja, sage ich, genauer genommen eine aparte Erscheinung. Attraktiv führt so ein bisschen, semantisch gesprochen, in die verkehrte Richtung.
Von Semantik hat er offensichtlich nicht gehört, denn er macht einen etwas verknautschtes Gesicht und ist arg am sortieren. Was halte ich (er)denn von dem, fragt er sich wahrscheinlich. Ob ich der typische hochnäsige Wichtigtuer bin? Oder ob ich ihn eigentlich nur loswerden will. Dieser Heldendarsteller hat echt zu kämpfen. Ich falle bei ihm offensichtlich in die Kategorie wichtigtuerischer Nichtsnutz der wirtschaftlich einfach nichts drauf hat.
Er lässt mich dann relativ schnell stehen und gefällt sich in seinem Habitus, dem (also mir) bin ich über.
Ich bin in ihn endlich los; zufrieden.
Zum Ende der Party werde ich und meine Frau von Brigitte und Peter, den Einladern, verabschiedet. Unser Partyheld fragt enge Freunde die Peter und Brigitte gut kennen, wer DIE (also wir) denn waren.
Das war deren Steuerberater und Frau.
Man merkt wie er sich leicht verschluckt.
Lieber Jo,
angeregt durch Deine kreativen Schreibstücke, fiel mir mal dieses ein:
Wie hältst Du es?
Haltung
Mithalten – vielleicht
Gehalten sein
Durchhalten – manchmal
Aushalten – nein
Anhalten
Zueinander halten.
Ich halte Dich.
Du hältst mich.
Ich fühle mich gehalten.
Hältst Du es mit mir aus?
Was hältst Du von mir?
Ich halte viel von Dir.
Du hast eine Haltung.
Ich hab eine Haltung.
Wir zeigen Haltung.
Wir teilen unsere Haltung.
LG Karin
Wir kamen in das Ristaurante, wo wir schon lange nicht mehr waren. Ein sehr kleines Lokal, italienisch, nicht überladen, eng aber gemütlich. Unsere Freunde hatten es ausgesucht. Es war ziemlich voll, aber wir hatten ja einen Tisch bestellt, der uns nicht sofort auffiel.
Setzen Sie sich, wo sie wollen, sagte er uns und bedeutete dies mit einem kleinen Schulterzucken und einer sparsamen Handbewegung. Giorgio geleitete uns zu schließlich zu einem Sechsertisch, obwohl wir nur viert waren. Irgendwann nahm er die überzähligen Teller und Gläser an sich. Alles geschah wie nebenbei. Jetzt war es unser Tisch.
Giorgio war ein ziemlich langer Italiener, so um die 60, mit einer sparsamen fast eleganten Körpersprache.
Nachdem wir Wein und Bier bestellten, kam er nach einer gewissen Zeit und servierte. Er stellte jedes Glas, zwei Pilsgläser und ein größeres bauchiges volumigeres Landbierglas und mein Weißweinglas auf den Tisch. Alles mit einem fast nicht wahrnehmbaren dumpfen Plumps. Sie landeten so plan auf dem Tisch, dass sie nicht holpernd von einer zur anderen Glaskante standfest auf dem Tisch landeten. Dies gelang ihm so gerade, wie wenn man in einer Show mit einem Riesenbagger ein kleines Glas hundertprozentig exakt, als wenn man dafür Punkte verteilt bekäme. Dieser Mann wusste was er tat; alles mit einer zurückgenommenen Selbstverständlichkeit. Keine Nuance seiner Bewegungen war zu viel. So ging er auch.
Beim Servieren des Essens das Gleiche. Mit einer minimalen Bewegung drehte er die Teller bei jedem Gast. Die Optik perfekt. Obwohl selbst nicht Chef, was er mal nebenbei erwähnte – es waren seine (!) Gäste.
Vor unserem Aufbruch, bei der Abrechnung fragte er ob er die Rechnung teilen solle, oder wir zusammen bezahlen wollten. Geteilt nach Paaren war unsere Entscheidung. Er kam dann mit dem Kassenausdruck für alle und einem kleinen Handrechner. Dies hatte ich noch nie gesehen, denn die Kellner kommen dann normalerweise mit einem Kuli und teilten die Rechnung auf oder machen alles im Kopf. Er nicht. Er tippte auf Nachfrage die jeweiligen Gerichte und Getränke in sein Ding.
Unser Freundespaar, bzw. Gabi, bezahlte. Dann, so erwartete ich, hätte er uns für den Rest zur Zahlung aufgefordert. Nein, er tippte wieder alle einzelnen Beträge für uns, die wir verzehrt und getrunken hatten, in seinen Rechner.
Schließlich wurden wir von ihm jeder entweder mit einem freundschaftlichen Blick oder einem kleinen, bei den Männern, unaufdringlichen Klaps verabschiedet.
Draußen, nach einigen Minuten vor den Autos, fiel auf, als unser Freundespaar noch mal nachdachte, ob sie alles bezahlt hätten – Gabi hatte bezahlt – Udo war aber nicht dabei. Er hatte nicht alles erfasst. Das einfachste für Giorgio wäre gewesen die Einzelsummen mit der Gesamtsumme des Kassenbons zu vergleichen. Hatte er nicht gemacht.
Er hatte keinen Zweifel was er tat.
Er stand da. Auf der Treppe – hinten raus – und schaute.
Eine Zigarette in der Hand. Sein Spielbein – links – brauchte keinen Druck.
Er stand da. Die linke Hand umfasste die Schachtel in der Hosentasche.
2 Grad Celsius war es – gefühlt. Nur einen Pullunder hatte er an; keinen Mantel, keine Mütze.
Der Blick folgte den grauen Wölkchen, die allmählich vorbei zogen. Ein Kamin in einiger Entfernung rauchte – ein bisschen.
Seine Frau war mit Freunden spazieren. Er hatte sie ziehen lassen. Im Kopf tat sich nichts. Eine milde besondere Wärme durchzog ihn.
Er war ganz weit weg – und doch sehr bei sich.