Die Ästhetik des Widerstands
„Die Kunst ist also etwas, dass dem körperlichen aufatmen ähnlich ist. …. die Zerstörung der geistigen Werte, dachte er ist die Folge des Antagonismus in der Gesellschaft. Da die Kräfte sich immer im Zusammenstoß mit ihren Gegensätzen entwickeln, entstand das sinnvolle in der Kollision mit dem überalterten, wie dies umso heftiger zurückschlug, je deutlicher die Zeichen der Erneuerung wurden. Das, was ich verändern sollte, hätte der ständigen Absicherung bedurft. Ja, wir ließen uns täuschen von dem, was wir gewonnen hatten, vergaßen, dass es alles andere noch gab, das, was uns wieder zerstören wollte. In besonderem Grad war unser Land verseucht. Dieser Republik, der Weimarer, war eine Bedeutung verliehen worden an die bei ihrer Konstituierung niemand gedacht hatte. Eine humanistisch wissenschaftliche Bewegung war in ihr entstanden, die im Widerspruch Stand zu den kriegerischen gefühlsschwellenden Traditionen, nicht der Weltbeglückung trachteten, sondern analytisch wurde vorgegangen, gestärkt durch Psychologie Physiologie und Soziologie. Doch überall dort, wo sich fortschrittliches erkennbar machte, rotteten sich dunkle Kräfte zusammen, um es zu Fall zu bringen und so hervorragend wie die Leistungen waren, so grandios wurde auch deren Tilgung Betrieben, alles was ich einmal befreit hatte, wurde erwürgt.“
aus Band III von Peter Weiss, Erstauflage 1981